Ford wählt Valencia für sein neues Elektroauto-Werk
Ford hat angekündigt, die nächste Generation seiner Elektrofahrzeuge in Europa in einem Werk in Valencia zu produzieren. Dieser Schritt ist Teil der umfassenderen Umstrukturierungsmaßnahmen des Unternehmens. Der amerikanische Automobilhersteller entschied sich für den Standort Valencia und gegen ein konkurrierendes Werk in Saarlouis. Das Unternehmen plant, bis 2030 ausschließlich Elektroautos in Europa anzubieten – noch vor dem geplanten EU-Verbot für den Verkauf neuer Benzin- und Dieselfahrzeuge. Im Zuge der Transformationsstrategie wird es zu Stellenstreichungen kommen, deren genaue Anzahl jedoch noch nicht bekannt gegeben wurde, wie ein Sprecher gegenüber Reuters erklärte. Da Elektroautos stärker auf automatisierte Montagelinien setzen, benötigen sie weniger menschliche Eingriffe. Dies bedeutet, dass Werke, die keine Produktionsaufträge für Elektrofahrzeuge erhalten, von der Schließung bedroht sind, sobald das EU-Verbot für den Verkauf neuer Benzin- und Dieselfahrzeuge im Jahr 2035 in Kraft tritt. Beispielsweise könnten 4.600 Mitarbeiter im Werk Saarlouis ihren Arbeitsplatz verlieren. Auch an Standorten, die für die Montage von Elektrofahrzeugen ausgewählt wurden, wird es zu Stellenstreichungen kommen, wie beispielsweise im Werk in Valencia, wo 6.000 Mitarbeiter beschäftigt sind.
Das Unternehmen betreibt mehrere weitere Werke in Europa, darunter eines in Köln, ein weiteres in der Türkei und ein weiteres in Rumänien. Diese wurden für die Produktion von Elektrofahrzeugen ausgewählt. Ab dem nächsten Jahr investiert Ford 1,5 Milliarden Euro in sein Kölner Werk, um dort Elektroautos auf Basis lizenzierter Volkswagen-Technologie herzustellen. Das Werk in Valencia wird künftig alle Ford-Modelle produzieren, die auf der firmeneigenen Elektrofahrzeugtechnologie basieren.

In der Vergangenheit hatte Ford aufgrund des starken Wettbewerbs unter den Automobilherstellern Schwierigkeiten, in Europa Gewinne zu erzielen. Das Unternehmen nutzte die Elektromobilität jedoch als Chance, seine Abläufe zu restrukturieren und schlanker zu werden. Von den 50.000 Mitarbeitern in Europa hat Ford bereits 12.000 Stellen abgebaut. „Um die Chancen der Elektromobilität in Europa optimal zu nutzen“, sagte Stuart Rowley, Präsident der europäischen Ford-Division. Der globale CEO des Unternehmens merkte jedoch an, dass dieser Wandel nicht einfach sein und schwierige Entscheidungen erfordern werde. Laut dem Verband der Automobilhersteller und -händler (SMMT) haben die Verkaufszahlen von Elektrofahrzeugen in Großbritannien in den letzten Jahren einen regelrechten Boom erlebt. 2021 wurden mehr batteriebetriebene Autos zugelassen als in den fünf Jahren zuvor zusammen. Die Zulassungszahlen stiegen um mehr als 75 Prozent, von 108.000 im Jahr 2020 auf 191.000 im vergangenen Jahr. Sie machten im Dezember letzten Jahres jedes vierte verkaufte Auto aus, und Teslas Model 3 war das zweitmeistverkaufte Auto des Jahres in Großbritannien.




